Zweiklassengesellschaft im Lehrerzimmer muss beendet werden

Veröffentlicht am 12.04.2019 in Pressemitteilungen

Kolleginnen und Kollegen der Hellbergschule Brombach und die Kreisvorsitzende der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft, Anja Hanke, trafen sich mit den beiden Landtagsabgeordneten Rainer Stickelberger (SPD) und Josha Frey (Grüne) zu je einem gemeinsamen Gespräch. Thema war die von vielen als ungerecht empfundene unterschiedliche Bezahlung von Lehrkräften insbesondere in der Sekundarstufe

Seit der Einführung der neuen, getrennten Studiengänge für das Lehramt an Grundschulen und an Sekundarstufen, werden alle Lehrkräfte an Sekundarstufen 1 nun einheitlich nach A13 bezahlt.

In den Kollegien gibt es aber noch viele Lehrkräfte, die nach der alten Ausbildungsordnung als Grund- und Hauptschullehrkräfte ausgebildet wurden und somit eine Gehaltsklasse schlechter bezahlt werden. Deren zukünftige Bezahlung hängt nun davon ab, an welcher Schulart sie inzwischen unterrichten.

Die meisten ehemaligen Werkrealschullehrkräfte unterrichten inzwischen an Realschulen, Sonderschulen (SBBZ) oder Gemeinschaftsschulen. Dort erhalten Sie die Möglichkeit, nach Absolvierung einer Weiterqualifizierung einen Laufbahnwechsel vorzunehmen und somit in die gleiche Gehaltsklasse wie die neu eingestellten KollegInnen aufzusteigen. Von dieser Maßnahme ausgenommen sind jedoch die Lehrkräfte, die an Werkrealschulen verbleiben.

Dazu gehören die Kolleginnen und Kollegen an der Hellbergschule. Sie haben keinerlei Möglichkeit, über eine Aufstiegslehrgang eine Beförderung zu erreichen.

So entsteht die paradoxe Situation, dass eine Lehrkraft an der Hellbergschule einen Referendar ausbildet, der eine ganze Gehaltsklasse mehr, bzw. genau so viel wie der Konrektor der Schule verdient.

Das empfinden die Kolleginnen und Kollegen als ungerecht. „Es ist nicht nachvollziehbar, warum in den Lehrerzimmern solch eine Zweiklassengesellschaft installiert wird. Unsere Arbeit ist nicht weniger wert!“, so die Kolleginnen und Kollegen einhellig. Im Gegenteil, die anspruchsvolle Aufgabe Inklusion z.B. finde vor allem an den Grund- und Werkrealschulen statt. Auch berichten die Kolleginnen von steigenden Schülerzahlen an der Hellbergschule. „Die Hellbergschule ist kein Auslaufmodell. In Klasse 5 verzeichnen wir steigende Anmeldezahlen. Bis zur 9. Klasse verdoppelt bis verdreifacht sich dann die Schülerzahl sogar, da wir viele Schüler aufnehmen, die von den Realschulen oder Gymnasien zurückkommen. Diese Jugendlichen nach Misserfolgserlebnissen aufzufangen und wieder zu motivieren ist eine pädagogisch anspruchsvolle Aufgabe, die wir gerne wertgeschätzt wüssten.“ Rund 500 Euro macht der Gehaltsunterschied aus. Das ist immens.

Die Kolleginnen und Kollegen der Hellbergschule wollen jedenfalls nicht von der Weiterqualifizierungsmöglichkeit abgehängt werden und überreichten den beiden Landtagsabgeordneten eine entsprechende Resolution.

Beide Politiker betonten, dass die Lehrkräfte bei ihnen offene Türen einrennen.

Stickelberger monierte, „dass das aktuelle Konzept der Landesregierung Lehrkräften an Werkrealschulen, die nach der alten Ausbildungsordnung als Grund- und Hauptschullehrkräfte ausgebildet wurden, keinerlei Perspektiven bietet. Es kann doch nicht sein, dass wir gerade diesen erfahrenen Lehrkräften keine Möglichkeit zur Weiterqualifikation und damit zum Aufstieg geben“, betont Stickelberger.

Josha Frey stellt fest: „Für mich gilt der Gleichheitsgrundsatz: Für gleiche Leistung muss es gleiches Gehalt geben. Dass die Lehrkräfte an Werkrealschulen als einzige Gruppe von Lehrkräften an Sekundarstufen 1 bisher von der Aufstiegsmöglichkeit ausgeschlossen sein sollen, widerspricht diesem Grundsatz und muss bald möglichst ausgeräumt werden!“

Auch für Anja Hanke gibt es keinerlei inhaltliche Begründung für dies Ungleichbehandlung. „Auch die Werkrealschule führt wie die Real- und Gemeinschaftsschulen mit der 10. Klasse zum Mittleren Bildungsabschluss. Die überwiegende Zahl der anderen Bundesländer bezahlt alle Sekundarstufenlehrkräfte gleich. Nicht vergessen darf man zudem die Primarstufe. Mehr und mehr Länder schwenken auch bei den Grundschullehrkräften um. Warum nicht auch das reiche Land Baden-Württemberg?“

 
 

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